Neuen Herausforderungen gestellt

Jahresbilanz und Einblicke ins Jubiläumsjahr

Auf erfreulich großes Interesse stieß die Jahreshauptversammlung der „Kleinen Hände“, so dass im Kulturbahnhof noch Stühle herbeigeschafft werden mussten, damit alle Platz fanden. Nicht nur Wahlen und Rückblick, auch der Ausblick ins Jubiläumsjahr standen auf der Tagesordnung.

Gut gelaunt, unpragmatisch und in großer Einigkeit ging die Jahreshauptversammlung der „Kleinen Hände“ vonstatten – so, wie es auch der Arbeit des Vereins für Kinder, Mütter und Väter in Notlagen entspricht, der 61 Familien mit 135 Kindern in akuten Notsituationen im Vortragsjahr unbürokratisch geholfen hat. Ungezählt, so unterstrich Vorsitzende Dorothée Schenk, seien die vielen kleinen Hilfen, die geleistet werden. Das reiche vom fehlenden Schultornister und Fahrradhelm bis zum Kinderwagen. Viel Dankbarkeit, die sich in selbstgebackenen Keksen und kleinen Präsenten äußern, seien sichtbare Zeichen, dass die Hilfe nicht nur gerne angenommen werde, sondern auch Wertschätzung erfahre.

Gleiches gilt offenbar für die Unterstützer: Gleichbleibend hoch, so erfuhren die Mitglieder, ist die Spendenbereitschaft. Das gilt sowohl für die Sachspenden als auch die finanziellen Zuwendungen. Beides ist für den Verein wichtig. Schließlich besuchten an den drei Öffnungstagen jeweils rund 60 Menschen die Geschäftsstelle, um ihre Kinder zu bekleiden und mit allem rund ums Kind zu versorgen, erläuterte Schenk. Das Geld werde nicht nur für Hilfe in besonderen Notfällen verwendet, sondern auch, um verlässlicher Partner für die Kinder und Familien zu sein. Hier ist vor allem die Übernahme des Elternanteils für das Mittagessen in KiTas und OGS gemeint. Wenn eine Familie mit einem Paket Nudeln, das 49 Cent kostet, drei Kinder satt bekäme, dann sparten die Eltern sich lieber die drei Euro für die Übermittagbetreuung, brachte die Vorsitzende ein praktisches Beispiel. „In den Einrichtungen wird aber nicht nur gegessen wird, durch Freundschaften und die Pädagogen der Einrichtungen wird soziales Miteinander eingeübt, Sprache und Wesensbildung erfolgt. Das ist ein Beitrag zur Integration, der unserer Gesellschaft als Ganzes zugute kommt.“ Für 55 Kinder übernehmen die Kleinen Hände in diesem Jahr den Elternbeitrag.

Stellen mussten sich die Ehrenamtlichen in diesem Jahr aber auch neuen, unerwarteten Herausforderungen. Erstmals waren sie mit dem Thema Gewalt in Familien befasst: Frauen, die mit ihren Kindern auszogen und vor dem Nichts standen, in einem Fall sogar in eine sichere Unterkunft vermittelt werden musste, oder Frauen, die verlassen wurden und mit leergeräumtem Konto und ohne Bett da standen. „Hier helfen nur Herzensbildung und gesunder Menschenverstand sowie gute Kooperationspartner, um den Menschen in akuter Not unbürokratisch beizustehen.“ Die Kleinen Hände seien also längst über das hinausgewachsen, was einmal der ursprüngliche Gründungsgedanke unter der Ehrenvorsitzenden Renate Hövelmann war.

Damit war der Bogen zum Jubiläum geschlagen: 2018 ist es 30 Jahre her, dass die „Kleinen Hände“ aus der Taufe gehoben wurden. Das will der Verein das ganze Jahr über feiern – mit einem „Fantasiefestival“. 30 Kooperationspartner, Unterstützer und treue Spender sind gebeten worden, dem Verein ein wenig Zeit zu schenken, Kindern vorzulesen und sie damit auf eine Fantasiereise mitzunehmen. Inzwischen sind zur Freude der Organisatoren bereits die ersten Zusagen eingegangen. Darüber hinaus wird gemeinsam gefeiert: Exakt am Stichtag, dem 7. September soll im Kulturbahnhof zum beschwingten Festakt mit viel Musik eingeladen werden.

Renate Hövelmann übernahm als Ehrenvorsitzende die Wahl zur Vorsitzenden. Mit einstimmigem Votum der Mitglieder geht Dorothée Schenk in die dritte Amtszeit. Verzichten muss sie auf Gisela Urban, die nicht mehr für den Posten der Stellvertreterin kandidierte. Warme Worte fand Dorothée Schenk für die scheidende Vize, die seit acht Jahren den Posten bekleidete: Im Ehrenamt sei Gisela Urban immer eine der ersten, die im Einsatz gewesen sei – nur in der ersten Reihe würde sie nicht gerne stehen. Unzählige Stunden habe sie für die „Kleinen Hände“ eingebracht: Morgens klingelte schon mal vor 9 Uhr das Telefon, am Wochenende überbrachte sie Notgroschen, wenn Familien feststellten, dass Geldbeutel und Kühlschrank leer waren, telefonierte mit Ämtern und den Stadtwerken und seit es „whattsapp“ gäbe, sei sie in besonderen Fällen 24 Stunden erreichbar gewesen. Dorothée Schenk sagte: „Ich danke Dir von ganzem Herzen und werde Dich auf dieser Stelle sehr vermissen!“ Als Dankeschön erhielt Gisela Urban eine eigens gebackene „Kleine-Hände-Torte“.

Traditionell stehen bei den „Kleinen Hände“ der Vorsitzenden zwei Stellvertreterinnen zur Seite: Wiedergewählt wurde ins Amt Nicola Wenzl. Dritte im Bunde ist ab sofort Caterina Tronelli. Ebenfalls in den Vorstand aufgerückt ist Schriftführerin Yvonne Fuchs, die Josefine Marx im Amt nachfolgte. Bereits im 30. Jahr ununterbrochen im Amt bestätigt ist Schatzmeisterin Elisabeth Hartmann, der die Kassenprüfer Dr. Peter Nieveler und Wolfgang Gunia eine ausgezeichnete Arbeit bescheinigten. Die ausgeschiedenen Vorständler sind in neuer Position dem Verein verbunden: Gisela Urban und Josefine Marx wurden mit Beatrix Heet, Anja Mahr, Otti Schöngens und Stefanie Walmrath in den Beirat gewählt. Zu Kassenprüfern wurden Robert Heckner und Elisabeth Küpper bestimmt. Alle Entscheidungen fielen einstimmig.

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